Giraffenanlage

Die grosse Herausforderung der Planung bestand in der Intergration der Anlage in den Zoorundgang. Damals befanden sich gut 80% der Anlagefläche ausserhalb des Zooareals – ausserdem musste sich die Anlage ein paar Jahre nach ihrer Entstehung in eine damals unbekannte zukünftige Planung integrieren.

Das geschwungene, weit auskragende Dach des Giraffenhauses setzt ein markantes Zeichen an der Zufahrtsstrasse zum Zoo.
Hauptsächlich zwei Bilder führen zur Form dieses Daches: Zum einen knüpft es an die Tradition der expressiven Formen der heute raren bestehenden Ur-Kinderzoo-Zoobauten von Walter Behles an, die seit jeher Bestandteil des Kinderzoo-Erlebnisses sind. Zum anderen erinnert es an die flachen Baumkronen von Akazien. In Kombination mit Oberlichtern ermöglicht die geschwungene Dachform eine sehr gute Ausnutzung des Tageslichtes. 

Unmittelbar unter dem Dach liegende Lüftungsflügel sorgen für eine gute natürliche Lüftung. Frische, staubfreie Luft und ausreichend Tageslicht sind wichtige Voraussetzungen für die Gesundheit der grazilen Tiere. 
Ein wesentliches Gestaltungsmittel des Giraffenhauses ist der Masstabssprung. Dieser liegt auf der Hand, wenn man für die “höchsten“ Tiere der Welt baut. Die konventionelle aber überdimensionierte vertikale Fassadenverkleidung aus Douglasie und ein überhoher Betonsockel entsprechen dem Masstab seiner Bewohner – und lassen den Menschen daneben winzig erscheinen. 
Das Haus ist beheizt und hat konstruktiv wenig Ähnlichkeit mit einem gewöhnlichen Stall. Durch die Holzbauweise ergeben sich jedoch gewisse gestalterische Freiheiten: Nordseitig liegt die Hallenstatik im Innern des Gebäudes. Obwohl es sich nicht um einen Besucherstall handelt, wird der Gestaltung des Innenraums grosse Beachtung geschenkt. Besonderheiten, die sich aus der Physiognomie der Giraffe ergeben, spielen in der Funktionalität und der Detaillierung des Ausbaus eine zentrale Rolle. 
Zusammen mit dem kugelgestrahlten Betonboden der Stallungen helfen vier verschiedene Bodensubstrate in der Anlage allfälligen Hufproblemen der Giraffen vorzubeugen.
Eine Pump- und Trafostation der Stadt Rapperswil konnte in die Anlage integriert werden. Auf dem Dach der Station entstand eine attraktive Publikumsterrasse, von der aus die gesamte Anlage überblickt werden kann. Der für die Giraffen giftige Efeu wurde durch Steinkörbe ersetzt, wodurch die Betonrahmen der Öffnungen weiterhin zur Geltung kommen und das Gebäude farblich in die Beige- und Grautöne der Umgebungsgestaltung integriert wird. 

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  • Kategorie

    Zooarchitektur, Zooanlage, Holzbau

  • Bauherrschaft

    Gebrüder Knie, Schweizer National-Circus AG

  • Standort

    Knies Kinderzoo, Rapperswil

  • Fachbiologische Beratung

    Kurt Müller

  • Ingenierur Holzbau

    Pirmin Jung GmbH

  • Ingenieru Beton

    Walter Böhler AG

  • Leistungen M&T

    Gesamtleistung inkl. Umgebung in Zusammenarbeit mit Pierre Robin Architekt HTL SIA (Bauleitung)

  • Planung

    2005

  • Realisierung

    2006

  • Bauzeit

    6 Monate

  • Fotografie

    Dominique Marc Wehrli

  • Preise

    Holzpreis Schweiz, prix Lignum 09, Anerkennung