Ausstellung: Gut in Form
Aus zwei mach eins: Max Bills „Gute Form" (1949) und „Swiss Made" (Köln, 2001): Ansichtssachen – Museum für Gestaltung Zürich
Herausforderung war, zwei Ausstellungen so miteinander zu kombinieren, dass die beiden Inhalte voneinander profitieren und sich nicht gegenseitig behindern. Dazu kam die Notwendigkeit, zweidimensionale und dreidimensionale Objekte gleichberechtigt auszustellen.
Entstanden ist eine Promenade mit Durchsichten und Barrieren, ein Spaziergang durch die Farben und Formen des Designs, eine Sommerausstellung. Verschiedene Sichtweisen überlagern sich, verschiedene Ebenen greifen ineinander. Dazwischen genügend freier Raum, der es erlaubt, Abstand zu den Dingen zu gewinnen.
BILL – stehende Tafeln
Die gute Form war ursprünglich gruppiert in vier Teile. Diese werden hier aufgenommen und sind in vier transparenten Kreissegmenten gezeigt. Konservatorisch: die leicht angegilbten Tafeln an denen die Spuren der Zeit sichtbar geworden sind, hängen nun zwischen unbehandelten Spanplatten, die mit ihrer industriellen Rohheit die Feinheiten der Bill-Panele wieder zum Vorschein bringen.
Bill auch ein Vertreter der Konstruktiven. Ein Künstler mit einer starken theoretischen / forschenden Seite – so zB in seinem Umgang mit Farbe. Die Ausstellung hat etwas von einem begehbaren konstruktiven Bild. Für die Farbgebung der Tische haben wir uns deshalb von seiem bildnerischen Werk inspirieren lassen.
Ansonsten stand vor allem die Auseinandersetzung mit der Halle im Vordergrund: eine räumliche Umsetzung unserer Ideen in diesem Raum mit den drei Längsschiffen (Bailika).
Die Ausstellungsarchitektur spielt mit diesen drei Teilen, verbindet sie mit den stehenden Tafeln und unterstreicht sie mit den farbigen Tischen, die auf den Stützenraster bezogen sind. Bezugnahme und Auflösung.
SWISS MADE – farbige Tische
Bill war in seinen Ausstellungskonzeptionen sehr rigide vorgegangen. Beispiel Expo 64 Lausanne: Skulpturen befreundeter Künstler golden gespritzt, auf ihre Formqualität nivelliert. Hier prallen auf einem roten Tisch ein Fahrrad und ein Paravent, ein filigraner Fingerring und ein Möbelprogramm aufeinander: die Formen müssen sich behaupten.
Die Designobjekte werden auf Tischhöhe gehoben – auf die Arbeitshöhe des Designers. Das Design wird so dem kritischen Blick der Betrachter ausgesetzt. Man darf die Tischplatte, das Sideboard auch von unten sehen; Allseitigkeit.
Anderseits eine Inszenierung, die die Shooting Stars der Ausstellung ins rechte Licht rückt. Falls jemand hier eine leichte Ironie zu verspüren meint, so ist das nicht ganz ohne Absicht – das aktuelle Design nimmt sich sicherlich nicht so ernst, dass ein Augenzwinkern nicht möglich wäre – dies im Gegensatz zum etwas schulmeisterlichen Ton der Gestalter der Nachkriegszeit.
Bauherrschaft
Museum für Gestaltung
Verfahren
Direktauftrag
Jahr
2001
Kuratoren
Claude Lichtenstein und Andreas Volk